Impulse to go, Mama sein

Lasst doch mal die Papas machen

Papa Erziehung einfach nur anders

„Boah, was hast du ein Glück. Kannst dich Zuhause entspannen, während dein Mann mit eurem Kind im Freibad ist“

So war der wortlaut, als ich letzten Sommer hochschwanger mit abgedunkeltem Rollo auf der Couch versucht hatte irgendwie den hitzigen Tag zu überstehen. Mein erster Gedanke dazu war: „Ja, was hab ich nur für ein Glück.“ mein zweiter Gedanke war „Moment mal, wurde meinem Mann diese Frage wohl schon einmal gestellt? Wow- was hast du nur für ein Glück, kannst eine Fahrradtour mit deinen Jungs machen, während deine Frau auf eure Kinder aufpasst?“ – Ich denke nicht 🙂

Doch mein erster Gedanke war wirklich der, der unreflektiert aus mir kam „wow, was hab ich für ein Glück“ und JA ich habe unglaubliches Glück mit meinem Mann. Er ist das was ich mir immer gewünscht habe- sowohl als Mann als auch als Vater meiner Kinder. Dieses WOW bezog sich aber nicht darauf, sondern auf: ich kann die Füße hochlegen während mein Mann sich „mal“ um die Kinder kümmert- dieser Gedanke kann aber doch nur kommen wenn es nicht selbstverständlich ist, dass auch die Mama mal die Füße hochlegt, so ganz ohne schlechtem Gewissen. Genau das hatte ich nämlich, als ich kugelnderweise, schwitzend, kreislaufgeplagt im dunklen Wohnzimmer lag- ein schlechtes Gewissen (!!!) weil ICH gerade nicht kann.

Papas werden so häufig als praktische Aushilfe quasi als 450€ Kraft angesehen. Eine wertvolle Unterstützung mit minimaler Verantwortung.

Dann kam mir der zweite Gedanke, der „moment mal- Gedanke“. Es ist noch nicht ganz angekommen in unserer Gesellschaft, dass es selbstverständlich ist, dass sich der Papa genauso mit allen Möglichkeiten ums Kind und den Haushalt kümmert wie wir Mamas…. Hmmm nur in der Gesellschaft? Nein, ehrlich gesagt ist es auch bei mir noch nicht so richtig angekommen, denn warum sonst liege ich hier mit einem schlechten Gewissen, anstatt einfach die Ruhe zu genießen und ein Buch zu lesen? Mit der Gewissheit, dass mein Kind gerade in den allerbesten Händen ist.

Es gibt immer wieder Situationen im Alltag in denen mein Mann „übernimmt“ (alleine dieser Satz sagt schon alles) und ich trotzdem mit einem halben Ohr das Familiengeschehen belausche, beobachte und leider, leider viel zu häufig meinen Senf dazu gebe. Meinem Mann ungefragt Tipps gebe, mich in Konfliktsituationen einmische und ihm damit immer wieder subtil das Gefühl gebe- es besser zu wissen als er. Boah, diese Einsicht tut ganz schön weh!

Parallelen zu angeheirateten Familienmitgliedern die sich ungefragt in unsere Angelegenheiten einmischen, können uns aufzeigen WIE nervig das für unsere Männer sein muss.

Es ist ein Phänomen, dass ich seither sehr häufig bei mir, aber auch bei anderen Mamas beobachte. Angefangen mit „Ich kann ihm nicht zusehen wie er das Baby wickelt“ über „er weiß einfach nicht wie er bei Situation xy reagieren soll“ – Gleichzeitig fühlen wir uns aber so häufig alleine gelassen und haben das Gefühl alles ohne Unterstützung stemmen und organisieren zu müssen, ständig fragen unsere Männer wie sie was machen sollen und überhaupt würde ja eh nichts ohne uns laufen. Bei dem Punkt muss ich nun einfach mal laut STOP schrei(b)en!!!

Es läuft ohne uns!! Aber halt nicht so wie wir uns das vorstellen und wir dürfen lernen, dass das absolut gut so ist!! In dem wir unsere Männer ständig in ihrem Handeln beschneiden, sie kritisieren, ihnen das Gefühl geben so wie sie es machen ist es falsch- drängen wir sie mehr und mehr in die Passivität. Genau dann passiert das, was wir nicht wollen. Sie machen entweder nichts- oder sie vergewissern sich ständig ob das was sie machen (für uns) auch wirklich okay ist!

Noch schlimmer an der ganzen Sache ist aber, dass wir unseren Kindern die wichtige Vaterfigur nehmen- ein männliches Vorbild. Das klingt hart und ist es auch. Wie sollen unsere Männer denn in ihre Vaterrolle schlüpfen, wenn sie ständig versuchen es der Mutter recht zu machen? Wie sollen sie eine echte Beziehung zu ihren Kindern aufbauen, wenn sie nicht ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen, dazu gehören auch Konflikte, die wir aushalten dürfen. Und weiter… was leben wir unseren Söhnen vor (die ja selbst irgendwann Väter sind und dafür ein Vorbild brauchen) wenn wir ihre Väter ständig zurechtweisen und ihnen das Gefühl geben nichts richtig zu machen? Was leben wir unseren Töchtern vor, wenn wir für alles die Verantwortung übernehmen und Männer quasi eh alles falsch machen.

Das Leben liebt das Gleichgewicht. Ying & Yang

Das alles trifft natürlich nicht auf alle Mamas und Papas zu, dennoch denke ich, kann es für Mamas die so oft an ihre Grenzen kommen und die das Gefühl haben alles alleine stemmen zu müssen, ein Schlüssel sein und vielleicht ein Punkt der auf sie zutrifft. Wir dürfen genauer hinsehen, was in unseren Verantwortungsbereich fällt und was wir gut und gerne abgeben dürfen. Wir dürfen das Gespräch mit unseren Männern suchen, neue Wege finden, in unsere weibliche Kraft zurückkommen und den Männern ihre männliche Kraft lassen. Denn auch wenn dein Mann sich gerne aus der Verantwortung zieht und dir gerne alles überlässt und (ganz wichtig) du damit nicht glücklich bist, kann es ein Schlüssel für dich sein. Wir können und müssen nicht alles alleine schaffen und wir können NEIN zu Dingen sagen, welche nicht (nur) unsere Aufgaben sind. Wir dürfen Haushaltsaufgaben aufteilen und vor allem dürfen wir unseren gemeinsamen Weg finden glücklich zu sein. Wie immer ganz individuell.

Ich lade dich immer gerne dazu ein, für dich zu reflektieren ob mein Inhalt passend für DICH ist. Meine Wahrheit ist nicht unbedingt deine und umgekehrt. Mein Warum ist es Mamas mit meinen Texten zu inspirieren und zum reflektieren zu bringen. Ich bin genau wie du auf der Reise und teile meine Erkenntnisse mit dir, die weder der einzig wahre Weg noch in irgendeiner Weise belehrend wirken sollen. Ich freue mich über den Austausch mit dir und der Möglichkeit auch von dir lernen zu können.

#stopmumbashing #ehrlichemutterschaft #unitedbymotherhood